OpenAI – Weniger Leistung, aber als Verbesserung verkauft?
OpenAI hat mir heute eine nette E-Mail geschickt. Und wie das bei solchen E-Mails mittlerweile üblich ist, wird einem erst einmal erklärt, wie toll doch alles werden soll.
ChatGPT und Work sollen zusammengeführt werden. Alles an einem Ort, weniger Hin und Her, ein besseres Nutzererlebnis. Klingt ja erst einmal ganz nett.
Bis man zu dem wirklich interessanten Teil kommt.
ChatGPT und Codex sollen sich künftig ein gemeinsames Nutzungskontingent teilen.
Ja, richtig gelesen.
Zwei Kontingente? Ach, machen wir doch eins draus!
Bisher konnte ich ChatGPT nutzen und parallel mit Codex an meinen Projekten arbeiten. Beide hatten ihre eigenen Nutzungslimits.
Jetzt soll das Ganze zusammengelegt werden.
Das bedeutet für mich möglicherweise, dass ich künftig mit ChatGPT mein Kontingent verbrauche, das ich eigentlich für Codex brauche.
Ich arbeite teilweise stundenlang mit Codex an meinen Projekten. Gleichzeitig nutze ich ChatGPT für technische Fragen, Analysen, Fehlersuche oder einfach, um irgendwelche Ideen durchzuspielen.
Und jetzt soll sich das alles ein Kontingent teilen?
Na herzlichen Glückwunsch.
OpenAI schreibt dazu sinngemäß, dass die meisten Nutzer vermutlich nicht häufiger warten müssen, bis sich ihr Kontingent zurücksetzt.
Die meisten Nutzer.
Schön. Und was ist mit denen, die beide Dienste intensiv nutzen?
Wie viel bekomme ich denn jetzt eigentlich?
Das wäre ja die naheliegende Frage.
Wie hoch waren meine bisherigen Kontingente? Wie hoch wird das neue gemeinsame Kontingent? Wie wird der Verbrauch berechnet? Was kostet mich eine Anfrage mit einem bestimmten Modell?
Und vor allem: Bekomme ich für meine monatlichen Gebühren künftig genauso viel wie vorher?
Die E-Mail beantwortet davon praktisch nichts.
Stattdessen wird erklärt, dass die Nutzung vom Modell und der jeweiligen Aufgabe abhängt.
Ach was!
Dass eine komplexe Entwicklungsaufgabe mehr Ressourcen benötigt als eine einfache Frage, dürfte wohl niemanden überraschen.
Ich will Zahlen sehen.
Vorher X, nachher Y. So schwer kann das doch nicht sein.
Aber Instant bleibt unbegrenzt!
Ja, das wird sogar ausdrücklich erwähnt.
Instant soll weiterhin unbegrenzt nutzbar sein und nicht auf das gemeinsame Kontingent angerechnet werden.
Wunderbar.
Aber was genau bedeutet das?
Wenn ich ChatGPT bitte, mir eine HTML-Seite zu schreiben, läuft das dann über Instant? Wenn ich JavaScript brauche? Wenn ich eine Datei analysieren lasse? Wenn ich eine komplexere technische Frage stelle?
Und was passiert, wenn ChatGPT automatisch entscheidet, dass dafür mehr Rechenleistung benötigt wird?
Wird dann mein gemeinsames Kontingent belastet?
Kann ich das verhindern?
Auch dazu fehlen in der Ankündigung die konkreten Informationen.
Es bringt mir nämlich herzlich wenig, wenn Instant unbegrenzt ist, ich aber nicht zuverlässig erkennen oder kontrollieren kann, wann mein kostenpflichtiges Kontingent tatsächlich verbraucht wird.
Also habe ich OpenAI gefragt
Und zwar nicht einfach nur, ob das neue System toll wird.
Ich habe eine ziemlich ausführliche Anfrage geschrieben und wollte ganz genau wissen:
- Wie hoch sind die bisherigen und zukünftigen Kontingente?
- Wie werden Tokens und unterschiedliche Modelle berechnet?
- Welche Aktionen verbrauchen das gemeinsame Kontingent?
- Was bleibt bei Instant tatsächlich unbegrenzt?
- Können ChatGPT-Anfragen mein Codex-Kontingent reduzieren?
- Wird die Änderung während eines bereits bezahlten Monats eingeführt?
- Auf welcher vertraglichen Grundlage erfolgt diese Änderung?
- Wie berücksichtigt OpenAI dabei das deutsche Verbraucherrecht?
Insbesondere habe ich auf § 327r BGB hingewiesen, der Änderungen an digitalen Produkten regelt.
Ich wollte keine Marketingantwort. Ich wollte konkrete Informationen.
Die Antwort? Natürlich von einer KI!
Und tatsächlich kam ziemlich schnell eine Antwort.
Der Support stellte sich direkt als „AI-assisted support“ vor.
Na, das kann ja heiter werden.
Immerhin gab es ein paar Informationen.
Die Umstellung soll ab Dezember 2026 erfolgen. Der Verbrauch wird anhand von Tokens berechnet und nicht anhand einer festen Anzahl von Nachrichten oder Aufgaben.
Eine vollständige Vorher-Nachher-Tabelle gibt es allerdings nicht.
Konkrete Verbrauchsfaktoren für unterschiedliche Modelle und Tätigkeiten? Ebenfalls nicht.
Eine Garantie, dass das neue gemeinsame Kontingent mindestens so viel bietet wie die bisherigen getrennten Kontingente? Auch nicht.
Und jetzt kommt mein persönliches Highlight.
Die konkreten Informationen sollen in den Kontoeinstellungen zum Zeitpunkt der Umstellung oder danach angezeigt werden.
Danach?!
Ich soll also erst erfahren, was ich künftig für mein Geld bekomme, wenn die Änderung bereits umgesetzt wurde?
Was zur Hölle?
Und was ist mit dem Vertrag?
Auch das habe ich gefragt.
Schließlich bezahle ich für ein Abonnement. Wenn während eines bereits bezahlten Abrechnungszeitraums Leistungen verändert werden, ist das nicht automatisch unproblematisch.
§ 327r BGB stellt bestimmte Anforderungen an Änderungen digitaler Produkte. Dazu gehören unter anderem eine entsprechende vertragliche Grundlage und, bei relevanten nachteiligen Auswirkungen, zusätzliche Informationspflichten und Verbraucherrechte.
Ob die geplante Änderung tatsächlich dagegen verstößt, kann ich anhand der bisherigen Informationen nicht beurteilen.
Genau deshalb wollte ich ja wissen, auf welcher konkreten Vertragsklausel OpenAI diese Änderung aufbaut und welche Rechte betroffene Kunden haben.
Die Antwort?
Man könne keine Rechtsberatung leisten. Dazu gab es einen Link auf die allgemeinen Nutzungsbedingungen.
Entschuldigung, aber ich habe nicht nach Rechtsberatung gefragt.
Ich habe gefragt, auf welcher Grundlage OpenAI meinen bestehenden Vertrag ändern möchte.
Das ist ein Unterschied.
Ich liebe diese KI-Supportantworten. Nicht.
Kennt ihr diese Antworten, bei denen man nach drei Absätzen immer noch genauso schlau ist wie vorher?
Genau so eine war das.
Alles wunderbar formuliert. Freundlich, professionell, mit ein paar Links versehen.
Nur die eigentlichen Fragen bleiben unbeantwortet.
Ich frage nach konkreten Zahlen und bekomme erklärt, dass der Verbrauch unterschiedlich ausfallen kann.
Ich frage nach einer vertraglichen Grundlage und bekomme einen Link auf die Nutzungsbedingungen.
Ich frage, ob ich künftig weniger Leistung bekomme, und erfahre, dass es keine Garantie für gleichbleibende Kapazitäten gibt.
Ganz ehrlich: Dann sagt doch einfach, dass ihr die Zahlen nicht veröffentlichen wollt oder sie selbst noch nicht feststehen.
Damit könnte ich wenigstens etwas anfangen.
Wissen ist Macht! Nicht wissen macht auch nichts.
Aber so zu tun, als hätte man eine Frage beantwortet, obwohl man es nicht getan hat, ist einfach nur nervig.
Also noch einmal nachgehakt
Ich habe dem Support daraufhin erneut geschrieben.
Diesmal mit der ausdrücklichen Bitte, die Anfrage an einen menschlichen Mitarbeiter weiterzuleiten, der tatsächlich etwas zu Vertragsbedingungen, Nutzungskontingenten und Verbraucherrechten sagen kann.
Und siehe da:
Escalated to a support specialist; You can expect a response in the coming days.
Immerhin.
Jetzt soll sich in den kommenden Tagen ein Support-Spezialist melden.
Ob dabei tatsächlich etwas Brauchbares herauskommt, wird sich zeigen.
Mein Fazit
Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn OpenAI seine Produkte verbessert oder verschiedene Funktionen zusammenführt.
Wenn ChatGPT und Work künftig besser zusammenarbeiten, wunderbar.
Aber warum muss man gleichzeitig die bisher getrennten Kontingente von ChatGPT und Codex zusammenlegen?
Und warum kann man nicht einfach offenlegen, wie sich das auf bestehende Abonnements auswirkt?
Ich bezahle für einen Dienst und möchte wissen, welche Leistung ich dafür bekomme.
Nicht mehr und nicht weniger.
Dieses ständige „Wir verbessern dein Nutzererlebnis“, während man die entscheidenden Details irgendwo zwischen Marketingformulierungen versteckt, geht mir mittlerweile gewaltig auf die Nerven.
Das erinnert mich langsam an das Motto:
Ich scheiß dir aufs Brot und verkaufe es dir als Nutella.
Vielleicht wird das neue Kontingent ja tatsächlich großzügiger. Vielleicht bleibt alles ungefähr gleich. Vielleicht wird es aber auch deutlich schlechter.
Ich weiß es nicht.
Und genau das ist das Problem.
OpenAI weiß offenbar bereits, dass die Kontingente zusammengelegt werden sollen. Aber als zahlender Kunde bekomme ich keine konkreten Vergleichszahlen.
Sollte sich herausstellen, dass ich für dasselbe Geld künftig weniger nutzen kann, ist die Konsequenz für mich ziemlich einfach:
Dann wird das Abo gekündigt.
Ich werde den Beitrag aktualisieren, sobald der Support-Spezialist geantwortet hat.
Mal sehen, ob diesmal tatsächlich jemand meine Fragen beantwortet.