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Influencer, Reaction-Streamer und das Geschäft mit dem Leid anderer Menschen

Ich muss mir heute mal etwas von der Seele schreiben. Und zwar etwas, das mich mittlerweile wirklich massiv ankotzt.

Influencer.

Genauer gesagt diese ganze Reaction-Bubble, in der gefühlt jeder über jeden reden muss, jede noch so kleine Kontroverse bis zum Erbrechen ausgeschlachtet wird und am Ende offenbar nur noch eine Frage zählt:

Wie viele Klicks kann ich aus dem Leid eines anderen Menschen herausholen?

Und bevor jetzt jemand meint, ich hätte grundsätzlich etwas gegen Influencer: Nein, habe ich nicht.

Ich schaue selbst YouTube. Ich mag Gronkh. Ich finde seine Videos lustig, seine Art sympathisch und würde mich vermutlich wie ein kleines Kind freuen, wenn ich mich mal drei Stunden mit ihm auf einen Kaffee setzen könnte.

Aber genau da fängt für mich schon ein entscheidender Unterschied an.

Nur weil du berühmt bist, bist du nichts Besseres

Ich bin auch Fan von Saltatio Mortis, Feuerschwanz und Electric Callboy.

Wenn ich die Möglichkeit hätte, diese Leute persönlich zu treffen, würde ich vermutlich kreischen wie ein kleines Mädchen. Ja, das gebe ich ganz offen zu.

Aber wisst ihr was?

Wenn mir der Sänger von Electric Callboy die Vorfahrt nimmt, weil er während der Fahrt auf seinem Handy herumspielt, dann ist er trotzdem ein Arschloch.

Punkt.

Nur weil ich jemanden bewundere, bedeutet das doch nicht, dass dieser Mensch plötzlich über mir steht.

Und genau das scheint bei einem Teil der Influencer-Szene völlig aus dem Ruder gelaufen zu sein.

Da verdienen Menschen mit Anfang 20 plötzlich Zehntausende Euro im Monat, haben Hunderttausende Zuschauer und werden von ihren Fans teilweise behandelt, als wären sie irgendwelche Götter.

Warum eigentlich?

Weil sie vor einem Bildschirm sitzen und Spiele spielen? Weil sie lustig sind? Weil sie sich gut ausdrücken können?

Ja, das kann unterhaltsam sein. Und selbstverständlich darf man damit Geld verdienen.

Aber es macht einen doch nicht zu einem besseren Menschen.

Ganz ehrlich, wenn ich morgen 30.000 Euro im Monat verdienen würde, würde ich die Verwaltung des Geldes vermutlich meiner Freundin überlassen.

Warum?

Weil ich weiß, dass sie damit umgehen kann und ich vermutlich irgendwann irgendeinen absoluten Schwachsinn kaufen würde.

Ich kann das wenigstens über mich selbst sagen.

Bei manchen Influencern habe ich dagegen das Gefühl, dass ihnen diese Selbsteinschätzung völlig fehlt.

YouTube hat ein Problem. Und dieses Problem verdient Geld.

Jetzt kommen wir zu dem Punkt, der mich eigentlich am meisten stört.

YouTube belohnt Aufmerksamkeit.

Und womit bekommt man Aufmerksamkeit?

Mit Drama. Mit Beef. Mit Kontroversen. Mit möglichst provokanten Aussagen.

Natürlich sind daran auch die Zuschauer beteiligt. Wenn niemand solche Videos anschauen würde, gäbe es diesen Markt nicht.

Aber YouTube verstärkt diese Mechanik durch sein Empfehlungssystem.

Ein Video sorgt für Aufregung? Wunderbar, dann wird es angeschaut.

Jemand macht eine Reaction darauf? Noch mehr Aufmerksamkeit.

Ein dritter Influencer reagiert auf die Reaction? Noch besser.

Und ehe man sich versieht, hat man aus einem einzigen Thema eine halbe Fernsehserie gemacht.

Ich meine, mal ganz ehrlich:

Wenn OpenAI morgen seine Preise erhöht oder die Nutzungskontingente reduziert, dann macht halt ein Video darüber.

Reg dich auf. Rante ein bisschen. Sag, dass du das alles scheiße findest.

Mach meinetwegen noch ein zweites Video, wenn es neue Informationen gibt.

Aber muss daraus wirklich eine zwölfteilige Serie mit 14 Stunden Laufzeit werden?

Irgendwann ist doch auch mal gut!

Und bei einem solchen Thema ist das einfach nur nervig.

Bei persönlichen Anschuldigungen wird aus genau dieser Mechanik aber etwas wesentlich Gefährlicheres.

Denn dann wird nicht mehr irgendeine Firmenentscheidung ausgeschlachtet.

Dann wird ein Mensch ausgeschlachtet.

Der Fall Anni The Duck hat mir einiges gezeigt

Ich habe die Kontroverse um Anni The Duck damals mitbekommen.

Und ja, ich gebe es offen zu: Ich habe die ursprünglichen Anschuldigungen zunächst ebenfalls für glaubwürdig gehalten.

Warum auch nicht?

Da standen mehrere bekannte Menschen im Internet, erzählten ihre Geschichten und präsentierten vermeintliche Belege.

Das wirkte überzeugend.

Ich habe mich damals aber nicht daran beteiligt, Anni persönlich fertigzumachen oder ihr irgendwelche Hassnachrichten zu schicken.

Und darüber bin ich heute ziemlich froh.

Denn inzwischen habe ich mir die ausführliche Aufarbeitung von Jay Riddle angesehen.

Und ganz ehrlich: Das hat meine Sicht auf die ganze Geschichte massiv verändert.

Was mich besonders beschäftigt, ist die Art, wie Nachrichtenverläufe präsentiert wurden.

Stellt euch vor, ich zeige euch eine WhatsApp-Nachricht vom 10. eines Monats und danach eine vom 12.

Zusammen sieht das vielleicht so aus, als hätte jemand etwas unglaublich Widerliches geschrieben.

Was passiert aber, wenn zwischen diesen beiden Nachrichten acht oder neun weitere Nachrichten liegen, die ich einfach weggelassen habe?

Plötzlich kann sich die Bedeutung vollständig verändern.

Und genau deshalb finde ich die chronologische Aufarbeitung von Jay Riddle so wichtig.

Nicht, weil ich behaupte, dass er unfehlbar wäre.

Sondern weil er versucht, Aussagen, Nachrichten und Ereignisse wieder in ihren Zusammenhang zu bringen.

Eine Nachricht muss nicht gefälscht sein, um mit ihr eine falsche Geschichte zu erzählen. Es reicht manchmal schon, den entscheidenden Kontext wegzulassen.

Und das ist ein verdammt großes Problem.

Ich habe nach dieser Aufarbeitung den Eindruck gewonnen, dass bei den damaligen Vorwürfen gegen Anni erhebliche Teile der Geschichte anders dargestellt wurden, als sie sich aus dem vollständigen Zusammenhang ergeben.

Besonders das Verhalten von Mowky sehe ich deshalb heute extrem kritisch.

Ob und in welchem Umfang dabei bewusst manipuliert wurde, müssten letztlich die entsprechenden Belege und gegebenenfalls zuständige Stellen klären.

Aber meine persönliche Bewertung der damals öffentlich verbreiteten Darstellung hat sich grundlegend geändert.

Und wo waren eigentlich all die Reaction-Streamer?

Das ist jetzt die Frage, die mich wirklich wütend macht.

Als die Vorwürfe gegen Anni öffentlich wurden, waren plötzlich alle da.

Jeder musste seine Meinung sagen.

Jeder musste reagieren.

Jeder musste noch einmal erklären, wie furchtbar das alles ist.

Und natürlich konnte man damit auch Geld verdienen.

Aber was passiert, wenn sich später herausstellt, dass wesentliche Teile der Geschichte möglicherweise falsch, verkürzt oder aus dem Zusammenhang gerissen waren?

Dann wird es auf einmal erstaunlich ruhig.

Da gibt es Menschen, die vorher öffentlich kräftig mitgemischt haben und später sinngemäß erklären, dass sie sich dazu nicht mehr äußern möchten.

Ach so?

Vorher war das Thema also wichtig genug für öffentliche Kritik, aber wenn es darum geht, die eigene Beteiligung aufzuarbeiten, ist plötzlich Schluss?

Sorry, aber das ist für mich keine Verantwortung.

Das ist Wegducken.

Und nein, ich verlange nicht, dass sich irgendjemand bei mir entschuldigt.

Warum auch?

Ich bin nicht derjenige, dessen Leben dadurch möglicherweise massiv beschädigt wurde.

Wenn sich jemand entschuldigen möchte, dann bei der betroffenen Person.

Und nur diese Person entscheidet, ob sie eine Entschuldigung annimmt.

Wer mit Anschuldigungen Geld verdient, sollte auch Konsequenzen tragen

Ich habe dazu eine ziemlich klare Meinung.

Wenn ein Influencer durch nachweislich falsche oder manipulierte Anschuldigungen einem anderen Menschen erheblichen Schaden zugefügt hat, dann sollte er dafür Verantwortung übernehmen müssen.

Und zwar nicht mit einem halbherzigen Video nach dem Motto:

"Ja Leute, war vielleicht etwas unglücklich formuliert."

Nein.

Ich würde erwarten, dass die entsprechenden Videos entfernt werden, dass öffentlich und nachvollziehbar richtiggestellt wird, was falsch war, und dass die Einnahmen aus diesen Veröffentlichungen an die geschädigte Person gehen.

Auch die Einnahmen aus den anschließenden Richtigstellungsvideos.

Warum sollte man denn bitte auch noch daran verdienen, dass man vorher Scheiße gebaut hat?

Natürlich ist das meine Vorstellung davon, wie Verantwortung aussehen sollte, und nicht automatisch die geltende Rechtslage.

Aber ich finde den Gedanken ziemlich einfach:

Wer mit dem Schaden eines anderen Menschen Geld verdient, sollte diesen Gewinn nicht einfach behalten dürfen.

Und wenn jemand vorsätzlich Belege manipuliert oder schwere falsche Anschuldigungen verbreitet, dann gehört das für mich auch rechtlich aufgearbeitet.

Nicht durch irgendwelche selbsternannten Internet-Richter.

Sondern durch die zuständigen Stellen.

YouTube ist keine Staatsanwaltschaft

Und damit kommen wir zum nächsten Problem.

Wenn jemand schwere Vorwürfe gegen einen anderen Menschen erhebt, etwa wegen Missbrauchs oder einer anderen Straftat, dann frage ich mich:

Warum muss das zuerst auf YouTube landen?

Warum muss daraus ein Video werden, das Hunderttausende Menschen sehen?

Warum muss die Öffentlichkeit darüber abstimmen, wer Täter und wer Opfer ist?

Wenn es belastbare Hinweise auf eine Straftat gibt, dann gibt es dafür Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte.

Das Internet ist dafür der völlig falsche Ort.

Vor allem, weil viele Menschen den Unterschied zwischen einer Anschuldigung und einer erwiesenen Tatsache nicht sauber wahrnehmen.

Wenn ich beispielsweise behaupte, irgendein bekannter Unternehmer habe mutmaßlich eine schwere Straftat begangen, bleibt bei einem Teil der Zuschauer irgendwann nur noch hängen, dass er diese Straftat begangen hat.

Das Wort "mutmaßlich" verschwindet aus der Erinnerung.

Die Anschuldigung bleibt.

Und wenn sich später herausstellt, dass die Geschichte nicht stimmt?

Tja.

Das Internet vergisst nicht.

Selbst eine vollständige Entlastung erreicht häufig nicht mehr dieselben Menschen wie die ursprüngliche Anschuldigung.

Der Ruf ist trotzdem beschädigt.

Vielleicht ist der Arbeitsplatz weg.

Vielleicht sind Geschäftsbeziehungen zerstört.

Vielleicht ist das Privatleben ruiniert.

Und dann soll ein kleines Entschuldigungsvideo alles wieder gutmachen?

Ganz ehrlich: Das ist doch Wahnsinn.

Warum greift YouTube nicht früher ein?

Ich finde, Plattformen müssten bei schwerwiegenden persönlichen Anschuldigungen wesentlich konsequenter reagieren.

Nicht bei jedem kleinen Streit.

Nicht, weil jemand einen anderen Idioten nennt.

Sondern bei Vorwürfen, die das Leben eines Menschen zerstören können.

Solche Videos könnten zunächst zurückgehalten und von Menschen geprüft werden.

Ja, auch mit Unterstützung durch KI, um entsprechende Inhalte zu erkennen.

Aber die eigentliche Entscheidung sollte nicht irgendein Algorithmus treffen, der den Zusammenhang womöglich überhaupt nicht versteht.

Dafür braucht es Menschen.

Und wenn die Prüfung einige Tage dauert?

Dann dauert sie eben einige Tage.

Was sind drei oder fünf Tage gegenüber einem möglicherweise dauerhaft zerstörten Ruf?

Natürlich ist die Frage schwierig, wie man mit Aussage gegen Aussage umgeht.

Ich habe darauf auch keine perfekte Antwort.

Aber eines weiß ich:

Eine unbewiesene schwere Anschuldigung wird nicht dadurch ungefährlich, dass man das Wort "mutmaßlich" davorschreibt.

Und deshalb würde ich als Plattform im Zweifel lieber eine Veröffentlichung zurückhalten, als einen Menschen ohne belastbare Grundlage öffentlich vorführen zu lassen.

Psychische Probleme sind keine Entschuldigung für jedes Verhalten

Was mich an manchen Influencern zusätzlich stört, ist der Umgang mit Kritik.

Da wird teilweise ordentlich gegen andere Menschen ausgeteilt.

Aber sobald Kritik zurückkommt, heißt es:

"Das triggert mich."

"Mir geht es psychisch schlecht."

"Das kann ich nicht verkraften."

Und da muss ich sagen: Moment mal.

Psychische Erkrankungen sind real. Depressionen sind real. Und selbstverständlich können Menschen dadurch erheblich belastet werden.

Das spreche ich überhaupt niemandem ab.

Aber eine psychische Erkrankung bedeutet doch nicht automatisch, dass man andere Menschen behandeln darf, wie man möchte.

Ich kenne psychische Probleme selbst.

Und ich erwarte auch nicht, dass deshalb plötzlich niemand mehr mein Verhalten kritisieren darf.

Gronkh hat öffentlich über eigene psychische Belastungen gesprochen. Torsten Sträter geht ebenfalls offen mit Depressionen um.

Das macht diese Menschen doch nicht automatisch verantwortungslos.

Entscheidend ist, wie jemand handelt.

Ob jemand überlegt, bevor er etwas sagt.

Ob er Fehler eingesteht.

Ob er sich entschuldigen kann.

Und ob er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, statt jede Kritik mit einem Verweis auf die eigene Verfassung abzuwehren.

Gronkh zeigt für mich, dass es auch anders geht

Ein Beispiel, das mir dabei immer wieder einfällt, ist die damalige Kontroverse rund um Currywurst und HWSQ.

So, wie ich die öffentliche Auseinandersetzung in Erinnerung habe, hat Gronkh sich damals zu dem Thema geäußert, seine persönliche Einschätzung abgegeben und anschließend deutlich gemacht, dass er nicht endlos weiter darüber sprechen möchte.

Und genau das finde ich richtig.

Man muss nicht aus jeder Geschichte eine komplette Serie machen.

Man muss nicht auf jede neue Aussage reagieren.

Man muss nicht jedes Mal noch einmal 45 Minuten auf dieselbe Person einprügeln.

Manchmal reicht es völlig aus, seine Meinung zu sagen und anschließend einfach die Fresse zu halten.

Und wenn sich später herausstellt, dass man falschlag, dann muss man das eben auch zugeben.

Das gilt selbstverständlich auch für Gronkh.

Ich mag ihn. Ich schaue seine Videos. Ich würde mich freuen, ihn kennenzulernen.

Aber wenn er Mist baut, dann baut er Mist.

So einfach ist das.

Dieses endlose Ausschlachten widert mich an

Was ich mittlerweile wirklich nicht mehr sehen kann, sind diese endlosen Reaction-Ketten.

Da sagt irgendein Influencer einen Satz.

Darauf macht jemand eine 45-minütige Reaction.

Dann reagiert der nächste auf diese Reaction.

Dann meldet sich der ursprüngliche Influencer noch einmal.

Und schon gibt es das nächste Video.

Und das nächste.

Und das nächste.

Irgendwann geht es doch überhaupt nicht mehr darum, irgendetwas aufzuklären.

Da wird nur noch auf einer Person herumgehackt, weil das Publikum zuschaut.

Das erinnert mich an Gaffer bei einem schweren Verkehrsunfall.

Da liegt möglicherweise ein Mensch, der gerade die schlimmsten Minuten seines Lebens erlebt, und irgendein Idiot hält sein Handy drauf.

Warum?

Weil er unbedingt etwas Sensationelles sehen oder zeigen möchte.

Und bei manchen Reaction-Streamern habe ich inzwischen ein erschreckend ähnliches Gefühl.

Da ist ein Mensch, dessen Leben gerade öffentlich auseinanderfällt.

Und statt irgendwann aufzuhören, wird noch ein Video gemacht.

Noch eine Reaction.

Noch ein Livestream.

Noch eine Runde Aufmerksamkeit.

Noch ein bisschen Werbeumsatz.

Ganz ehrlich, ich finde das einfach nur widerlich.

Und YouTube verdient mit

Jetzt könnte man sagen, dass jeder Creator selbst für seine Videos verantwortlich ist.

Ja.

Natürlich ist er das.

Aber YouTube stellt die Plattform bereit.

YouTube betreibt das Empfehlungssystem.

YouTube ermöglicht die Monetarisierung.

Und YouTube profitiert ebenfalls davon, wenn Menschen stundenlang solche Inhalte anschauen.

Deshalb reicht es für mich nicht, einfach zu sagen:

"Wir sind nur die Plattform."

Nein.

Wer an einem Geschäftsmodell verdient, trägt für mich auch Verantwortung dafür, welche Folgen dieses Geschäftsmodell haben kann.

Und wenn sich herausstellt, dass eine Plattform wiederholt auf schwerwiegende Probleme hingewiesen wurde und trotzdem nicht angemessen reagiert, dann muss das Konsequenzen haben.

Massive Konsequenzen.

Auch finanziell.

Und wenn eine Plattform systematisch nicht bereit oder nicht in der Lage ist, Menschen vor solchen Exzessen zu schützen, dann muss man meiner Meinung nach irgendwann sogar über ihren weiteren Betrieb sprechen.

Ja, das meine ich ernst.

Lieber kein YouTube als ein zerstörtes Menschenleben

Ich weiß, dass das eine harte Aussage ist.

Aber ich stehe dazu.

Wenn ein Mensch durch systematische öffentliche Hetze, Demütigung und immer neue Videos so weit getrieben wird, dass er keinen Ausweg mehr sieht und sich das Leben nimmt, dann möchte ich nicht hören, dass die Plattform leider nichts dafür konnte.

Dann möchte ich wissen, wer daran verdient hat.

Wer die Verbreitung ermöglicht hat.

Wer Hinweise ignoriert hat.

Und wer Verantwortung dafür übernimmt.

Ich verlange nicht, dass YouTube jede Tragödie vorhersehen kann.

Aber ich verlange, dass ein Unternehmen dieser Größenordnung alles Zumutbare unternimmt, um solche Entwicklungen nicht auch noch zu verstärken.

Und wenn es dafür drastische Konsequenzen braucht, dann braucht es eben drastische Konsequenzen.

Lieber verschwindet eine komplette Plattform, als dass auch nur ein Mensch wegen dieses Geschäftsmodells zugrunde geht.

Denn am Ende ist YouTube eine Internetplattform.

Ein Unternehmen.

Ein Geschäftsmodell.

Ein Menschenleben ist das nicht.

Und genau deshalb möchte ich meinen heutigen Rant mit einem Gedanken beenden, der für mich das gesamte Problem zusammenfasst:

Das öffentliche Ausschlachten eines Menschen ist keine Aufarbeitung. Es ist ein Geschäftsmodell.

Und wenn dieses Geschäftsmodell Menschenleben kostet, dann gehört nicht nur derjenige zur Verantwortung gezogen, der die Videos produziert, sondern auch derjenige, der daran verdient.

Kein Klick, kein Werbeumsatz und keine Plattform ist ein Menschenleben wert.

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